Trude und Paul Eisinger



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Das Ehepaar Eisinger mit einem Freund (im Hintergrund)

Dieses Foto und die folgenden beiden Briefe sind von Trudi und Paul Eisinger geblieben. Die Schriftstücke sind die einzige Innenansicht der beiden. Ein Interview der damaligen Adressatin bietet weitere Informationen. Der erste Brief ist von beiden unterzeichnet. Da er nicht handschriftlich ist, lässt sich der eigentliche Schreiber nicht zuordnen. Er ist sicherlich leserlich genug, dass er nicht abgetippt werden muss. Der zweite Brief stammt von Trude Eisinger und ist nach dem Tod ihres Mannes verfasst.

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Den zweiten Brief habe ich abgetippt, da er handschriftlich abgefasst ist. Die Originale sind am Ende der Abschrift:

19. April 61
Liebste Freunde,

Dieser Brief hätte schon vor Tagen geschrieben sein sollen, aber ich hatte nicht die Kraft dazu. Als Kind hörte ich einmal das Lied: Es ist bestimmt in Gottes Rat, dass man vom Liebsten das man hat muss scheiden, ich weiß noch wie bitterlich ich weinte; nun war es mir bestimmt vom Liebsten das ich habe zu scheiden, mein guter, treuer Paul hat mich am Ostersonntag verlassen; er ist einer heart-attack erlegen und der Gute weiß Gott sei Dank nicht mehr, was es heißt ohne ihn weiter leben zu müssen. Er wurde in der Nacht von Donnerstag auf Karfreitag ins Spital gebracht und fühlte sich dank Injektionen Oxigen am Freitag viel besser, aber dann hatte er eine 2. Attacke und der war sein armes Herz nicht mehr gewachsen. Ostersonntag um 1/2 8 Uhr Früh schloss er seine lieben Augen für immer. Ich bin noch ganz vor den Kopf geschlagen, gehe in unserem Heim, das er so liebevoll und voll Freude für uns aufgebaut hat, herum und bemühe mich es zu fassen.
Da Ihr ihn gekannt habt könnt Ihr Euch denken wie still und leer es ist. Doch hat er mich immer gebeten, wenn es einmal passieren sollte, stark und tapfer zu sein, so versuche ich es halt, aber bis jetzt mache ich ihm keine Ehre. Wohl ist sein Wunsch in Erfüllung gegangen, er wollte immer rasch gehen, auch mein Wunsch, doch noch mit ihm sprechen zu können, ging in Erfüllung, das ist wahrscheinlich alles, was man verlangen kann.
Ich weiß nicht, ob Paul Euch dieses Bild aus unserem Wohnzimmer geschickt hat, jedenfalls hatte er die Absicht, es wurde im Winter 60 aufgenommen. Der kleine Teetisch steht vor dem Kamin. Vergesst mich nicht ganz, genießt jede Minute eures Lebens voll und ganz.
Mit viel Liebe Eure
Trudi Eisinger

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