Briefe



Tel-Aviv 9/3/93

Meine liebe Magdalena!

Erhielt Ihren lieben Brief mit großer Freude und Hochachtung sowie mit Erstaunen und Überraschung, dass es heutzutage jemand in Laa gibt, der sich mit solch einem delikaten Thema abgibt.
Was Sie im Fernsehen sahen ist nur die reine Wahrheit. In Laa gab es Jahrzehnte eine jüdische Gemeinde und Synagoge. Zu meiner Zeit lebten in Laa und nahen Umgebung (Dörfern) ungefähr 30 Familien. Ich selbst bin in Laa a/d Thaya geboren und ging auch in dieselbe Realschule.
Meine Mutter und [ihre] Brüder sind in Wultendorf geboren. Ihre ganze Familie fast lebte in Laa. Mein Vater war Major im Militär und lebte dann in Laa als Pensionär. Ich nach Beendigung der 7 Klassen Realschule ging nach Wien weiterzulernen.
Bin gerne bereit Ihrer Bitte nachzukommen, alle Ihre Fragen soweit es mir nur möglich ist zu beantworten.

Verbleibe Ihr

Arie Naman
Mein frühriger Name war Ernst Neuman




Tel-Aviv 18/7/92

Liebe Magdalena!

Ihren l. Brief mit Beilagen (Bericht über die Reise, Einladung Ihrer lieben Eltern) mit Freuden erhalten. Auch die Karte und das Journal (Wiener Echo) in der Zwischenzeit erhalten. Vielen Dank dafür. Speziell vielen Dank für die Einladung nach Laa zu kommen. Ob und das Datum können wir im Moment nicht bestimmen. Ihr ausführlicher Reisebericht ist etwas besonderes. Das zeigen die 7 Seiten, wenn man selbe langsam liest und auch versteht. Außerdem umsonst gewinnt man doch nicht den 1. Preis. Möge Ihnen, liebe Magdalena, der l. Gott alles im Leben geben und Sie auf all Ihren Wegen beschützen wie es Ihnen meiner Meinung nach gebührt. In der Zwischenzeit bekam einen Brief von Hilda Drill (White) aus Australien. So wie ich verstehe schrieb sie Ihnen einen ausführlichen Bericht über die ganze Familie Drill, inclusive der Enkelkinder, die in Wien leben. Meine Cousine (Edith Bloch) von Caracas hat mir am Telefon (wir sprechen einmal im Monat) erzählt, sie bekam Ihren Brief und hat auch selben beantwortet. Haben Sie auch an meinen Cousin in Antwerpen geschrieben. Die Adresse von Felix Jokl habe den Zucker’n gegeben, die am 1/7 ins Ausland fuhren und die Absicht haben nach Laa zu kommen. Er kam 1940 nach Israel, wohnte in einem Kibbutz und wanderte später nach Amerika aus.

Erna Hauser mit Mutter gelang es, nach England zu kommen, wo sie beide in London lebten. Die Mutter starb vor vielen Jahren. Erna lebte bis vor 4 Jahren (war schwer krank) und plötzlich starb. (Parkinson) Besuchte sie einige Male, das letzte Mal im Jahre 1985.
Ein Onkel von mir mit Sohn, Gustav und Heinz Maneles, gelang es auch nach England zu kommen. Teilweise lebten sie in Laa und Mistelbach. Der Onkel starb vor Jahren und Heinz, mit dem ich in Briefwechsel war, verschwand eines Tages ohne eine Adresse zu hinterlassen.

In Israel befindet sich auch das Enkelkind vom Laaer Rabbiner Fischhof, Frau Zucker sprach mit ihr und die Vereinbarung ist, beide fahren ins Ausland, Frau Gilboa, das ist ihr jetziger Name, wird Sie anrufen. Sie werden sich treffen und sie wird Ihnen alles erzählen. Sie schrieb ein Buch über die Familie für ihre Kinder. Ich kenne sie schon seitdem ich sie noch als Mädchen in Milano traf. In der Zeit des 2. Weltkriegs. Auch ihr Mann ist ein Wiener und wir waren beide Soldaten während des Krieges. Wie Sie sehen, die Welt ist klein und manchmal trifft man sich und das alles bringt Wunder.
Für heute wäre das alles. Hoffentlich seid ihr alle gesund und wohlauf. Nochmals vielen Dank für die Einladung.

Herzl. Grüße an Sie, die lieben Eltern und Schwester
von meiner Frau und mir

Ihr Arie Neumann

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