Interview mit Frau R. (Ausschnitt)


Interview vom 30.1.1995

Pfarrhof-innen
Innenansicht Pfarrhof - Blick auf kleinen Pfarrhofsaal

„Es stimmt, daß im Laaer Pfarrhof Juden eingesperrt waren. Es waren nicht die Laaer Juden, es waren polnische Juden. Sie trugen Davidsterne am Gewand und es waren sowohl Männer als auch Frauen und Kinder. Es müssen so an die 50 Leute gewesen sein. Zu essen haben sie gekochte Futterrüben bekommen. Da haben unsere Schweine fast Besseres bekommen. Sie blieben hier über ein Jahr und es wird 1940 bis 1941 gewesen sein, als sie hier waren. Ich denke, als sie kamen, war es Sommer. Als dann der Krieg näher kam, wurden sie weggebracht. Sie haben im Ziegelwerk von Laa gearbeitet und sind als Trupp jeden Tag dort hin und zurück gegangen. Sie waren dort, wo der kleine ebenerdige Pfarrhof-Saal ist. Zwischen dem Gang, der in den Garten führt, und dem Pfarrhofsaal war mit Brettern ein Zaun gemacht und dahinter waren die polnischen Juden eingesperrt. Zu der Zeit war Herr Dr. Jungbauer Pfarrer, Dr. Alois Böck war Kaplan.
In der selben Küche, wo man die Futterrüben für die polnischen Juden gekocht hat, hat man auch für die Kriegsgefangenen, die in Laa waren, gekocht (30 Franzosen, sonst noch Italiener, Jugoslawen und Russen; die Russen waren in einem Stadel, wo Familie W. wohnt in der Nähe, eingesperrt). Die Küche war im Slunsky-Haus neben der Schule.“